Die Hälfte der Gebäude ist zerstört: Wie die Wohnungen in Staryj Saltiw wiederaufgebaut werden

Die Hälfte der Gebäude ist zerstört: Wie die Wohnungen in Staryj Saltiw wiederaufgebaut werden

Ukrinform Nachrichten
17 Wohnhäuser, Ambulanz und ein Verwaltungszentrum werden im Ferienort in der Oblast Charkiw wiederaufgebaut

Die Staryj-Saltiw-Gemeinde ist die am stärksten zerstörte im Rajon Tschuhuiw der Oblast Charkiw. Das Dorf am Ufer des Petschenihy-Stausees wurde in den ersten Tagen des Krieges von den Russen besetzt. Sie plünderten Erholungszentren, Jachtclubs und Privatgrundstücke.

Anfang Mai 2022 wurde Staryj Saltiw im Zuge von Kämpfen befreit, und die Angreifer versuchten, die Kontrolle über das Dorf wiederzuerlangen, aber die Territorialverteidigung der Ukraine schlug den Angriff zurück.

Nach dieser Niederlage begannen die russischen Truppen, das Dorf gnadenlos zu beschießen, bis die ukrainischen Streitkräfte im September eine schnelle und groß angelegte Gegenoffensive starteten. Die Folgen des bewaffneten Angriffs sind weitreichend: Die Hälfte der Infrastruktur und noch mehr Wohngebäude wurden zerstört oder beschädigt.

Lesen Sie den Bericht von Ukrinform über den Wiederaufbau der Gemeinde.

DIE INVASOREN HABEN DAS DORF VIER MONATE LANG BESCHOSSEN

„Wir haben auf unsere Streitkräfte gewartet, sie haben uns befreit. Doch dann begann der schreckliche Beschuss. Die Menschen sind sofort evakuiert worden. Es gibt viel Zerstörung im Dorf, aber man kann das sehen ... Unser Haus hat sozusagen Glück gehabt. Letztes Jahr haben wir Fenster einbauen lassen. Und jetzt waren die Reparaturen durchgeführt. Aber um ehrlich zu sein, ist es immer noch beängstigend, die Kinder hierher zurückzubringen“, sagt Natalija, eine Bewohnerin von Saltiw.

Das Haus von Iryna Hlasunowa wurde mehrmals getroffen. Das Dach und die Wände sind beschädigt und die Fenster ist zerschlugen. Es ist nun unmöglich, dort zu wohnen.

„Aber sie versprechen, alle Arbeiten bis zum 25. Dezember abzuschließen. Wir sind sehr dankbar, dass die Regierung beim Wiederaufbau hilft. Alleine hätten wir das nicht geschafft“, sagt Iryna.

Alla, eine Bewohnerin des Dorfes, erinnert sich, dass es schwere Kämpfe um ihre Heimat Saltiw gab.

„Wir waren eineinhalb Monate lang besetzt. Als unsere Truppen einmarschiert sind, waren die DVR-Truppen hier. Die Kämpfe haben direkt nebenan begonnen. Wir haben in Kellern gelebt, dann haben die meisten das Dorf verlassen“, sagt Alla, eine Bewohnerin des Dorfes.

Ende August 2022 brach in ihrem Haus nach einem weiteren Beschuss ein Feuer aus.

„Das Haus konnte gelöscht werden, aber die Garagen sind niedergebrannt. Es gab keine Möglichkeit, das Feuer zu bekämpfen. Es gab kein Wasser“, seufzt sie.

Die zentrale Wasserversorgung des Dorfes wurde zwar vor kurzem wiederhergestellt, aber aufgrund des Beschusses und der Verschlechterung des Wasserversorgungssystems bleibt sie ein großes Problem.

„Im Sommer haben wir auf dem Land gelebt, wo wir einen Brunnen haben. Als wir hierher zurückgekommen sind, mussten wir Wasser tragen, Trinkwasser war zweimal pro Woche gebracht. Vor einer Woche war die Wasserversorgung wiederhergestellt“, sagt Alla.

Dennoch ist die Frau zufrieden mit dem Aussehen ihres Hauses. Über ihrer Wohnung im zweiten Stock gab es kein Dach. Jetzt ist alles repariert. Die Gebäude ist fast fertig.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit. Die Jungs arbeiten hart, obwohl es schon kalt ist und der Frost eingesetzt hat“, sagt Alla.

17 HÄUSER WERDEN GLEICHZEITIG REPARIERT

In Staryj Saltiw wurden etwa 50 Prozent der Infrastruktur zerstört, sagt Oleh Sinjehubow, Leiter der regionalen Militärverwaltung der Oblast Charkiw.

In diesem Jahr werden in dem Dorf 19 Einrichtungen wiederhergestellt, darunter 17 Wohnhäuser sowie eine Schule und ein Gebäude, in dem früher das Verwaltungszentrum und eine Ambulanz für Familienmedizin untergebracht waren.

„Der Grad der Projektumsetzung ist unterschiedlich. Einige haben wir früher begonnen, weil es finanzielle Mittel gab. Andere haben wir später begonnen. Auch die Komplexität der Objekte ist unterschiedlich. So haben sich beispielsweise die Arbeiten in einem der Gebäude im Zuge der Restaurierung bereits um etwa 70 Prozent verteuert. Denn die Bauarbeiter haben mit dem Rückbau begonnen und dabei strukturelle Schäden entdeckt, die behoben werden mussten. Die gesamte Unterkunft musste neu betoniert und das Dach neu aufgebaut werden. Und es gibt Projekte, bei denen wir, offen gesagt, mit dem Tempo der Umsetzung nicht zufrieden sind. Wir stehen in Kontakt mit den Auftragnehmern, werden Schlussfolgerungen ziehen und möglicherweise sogar die Verträge kündigen, damit neue Ausschreibungen durchgeführt werden können“, so Sinjehubow.

Sinjehubow zufolge belaufen sich die Gesamtkosten für die Arbeiten in Staryj Saltiw auf 570 Millionen UAH, von denen fast 320 Millionen UAH bereits aus dem Staatlichen Fonds für die Beseitigung der Folgen bewaffneter Aggressionen finanziert wurden und der Rest im nächsten Jahr fällig wird. Das lokale Budget wurde nur für die Planung verwendet.

Die zweistöckigen Gebäude werden bis zum Jahreswechsel fertiggestellt, die 11 fünfstöckigen Gebäude im Jahr 2024. Die Schule, für die 205 Millionen UAH bereitgestellt wurden, soll bis zum 1. September wiederaufgebaut werden, so Anton Paljej, Leiter der Militärverwaltung des Dorfes.

Die Beamten weisen darauf hin, dass die Menschen nach Abschluss der allgemeinen Arbeiten in den Gebäuden über eRecovery eine Entschädigung für Innenreparaturen erhalten können. Für diejenigen, die das Programm aus verschiedenen Gründen nicht in Anspruch nehmen können (sie haben keine Privatisierungsbescheinigung oder haben das Eigentum nicht übernommen), sucht die örtliche Verwaltung nach Unterstützung durch gemeinnützige Stiftungen.

Der Leiter der Militärverwaltung stellt fest, dass mehr als die Hälfte der Häuser in der Gemeinde zerstört oder beschädigt sind, und die Häuser, die als überlebend bezeichnet werden können, haben meist zerbrochene Fenster. Von den 1.323 Privatgrundstücken wurden 786 von der Kommission besichtigt, und 730 wurden in das Register der zerstörten und beschädigten Häuser aufgenommen.

„Bisher haben die Menschen in der Gemeinde 27 Millionen 205 Tausend UAH an Entschädigung vom Staat auf ihre Privatkonten erhalten“, sagt Paljej.

WASSERLEITUNGSNETZ STEHT FÜR NÄCHSTES JAHR AUF DER TAGESORDNUNG

Vor dem groß angelegten Krieg hatte Saltiw etwa 6.000 Einwohner. Fast 1.500 von ihnen lebten in den Wohnhäusern, die derzeit wiederaufgebaut werden.

„Jetzt leben 4.500 Menschen im Dorf, einschließlich derer, die weiterhin Wohnungen in Charkiw mieten und hierherkommen. Und sie warten darauf, dass die Arbeiten abgeschlossen werden. Sie sind es sehr leid, nicht in ihren Häusern leben zu können. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass unsere Gemeinde von strategischer Bedeutung ist. Wenn Menschen aus der Grenzstadt Wovtschansk evakuiert werden, bleiben einige von ihnen bei uns. Deshalb stehen unsere Ambulanz und das Verwaltungszentrum in der ersten Reihe des Wiederaufbaus. Wir müssen die Grundversorgung der Bevölkerung wiederherstellen“, sagt Paljej.

Das Dorf hat jetzt Strom. Die Gasversorgung wurde fast vollständig wiederhergestellt. Die ersten 300 Abonnenten erhielten das Erdgas im Herbst 2022, und ein Drittel der Einwohner war bis Oktober dieses Jahres ohne Gas. 15 Kilometer des Gasleitungsnetzes wurde vermint und teilweise beschädigt.

Das größte kommunale Problem ist das veraltete Wasserversorgungssystem.

„Das Wasserleitungsnetz ist sehr alt und liegt seit einem Jahr trocken. Während der Besetzung hat hier überhaupt nichts funktioniert. Es gab eine Zeit des Beschusses. 50 km Rohre müssen ersetzt werden. Unser Versorgungsunternehmen arbeitet rund um die Uhr, wir führen Notfallarbeiten durch. Manchmal gibt es in einigen Teilen des Dorfes kein Wasser. Das ist ein großes Problem, das wir im nächsten Jahr lösen wollen“, sagt Paljej.

Oleh Synjehubow, Leiter der regionalen Militärverwaltung, weist darauf hin, dass es sich um sehr hohe Summen handelt.

„Wir werden es analysieren, die staatlichen und lokalen Haushalte stellen einen Antrag, und wir planen, Mittel von Gebern einzuwerben“, so der Beamte.

Es ist schwer zu sagen, ob Saltiw seinen Status als eines der beliebtesten Urlaubsziele in der Region Charkiw wiedererlangen wird. Nur eine der vielen Basen am Ufer des Stausees hat ihren Betrieb teilweise wiederaufgenommen und beherbergt in einem ihrer drei Gebäude Gäste. Die Pläne der anderen Unternehmer sind kaum bekannt.

„Wir versuchen, mit allen in Kontakt zu treten, denn es gibt bereits Steuerprobleme bei den Organen der örtlichen Selbstverwaltung und Militärverwaltung. Nicht jeder ist bereit, zu kommunizieren. Es gibt viele Eigentümer, von denen wir nicht wissen, wo sie sind. Einige haben sich nach Russland umgezogen“, sagte Paljej.

Wie Ukrinform bereits berichtete, werden in diesem Jahr 62 Einrichtungen in der Region Charkiw wiederhergestellt. Der Gesamtbetrag der Finanzierung beläuft sich auf 1 Milliarde 162 Millionen UAH. Neben Staryj Saltiw werden insbesondere 48 Wohngebäude restauriert, und in den Gemeinden Derhatschi, Balaklija, Chuhuiw, Losowa, Rohan und Solotschiw sind die Arbeiten im Gange.

Julija Bajratschna, Charkiw — Staryj Saltiw

Fotos von Wjatscheslaw Madiiewskyj


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